Kirchenpräsident Jung: Rücktritt Wulffs war unvermeidlich

Darmstadt. Vertreter der Evangelischen Kirche begrüßen den Rücktritt des Bundespräsidenten. Jung hofft nun auf einen Nachfolger, der von allen Parteien getragen wird.

Der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung hat Bundespräsident Christian Wulff Respekt gezollt für seinen Rücktritt. Letztlich sei dieser Schritt jedoch »unvermeidlich« gewesen, erklärte Jung in Darmstadt. Denn jeder Mensch und auch jeder Politiker müsse prüfen, wann um der eigenen Glaubwürdigkeit willen und um der Würde des Amtes willen Konsequenzen zu ziehen seien. Jetzt müsse »mit Ruhe und Sorgfalt« die Nachfolge geregelt werden, sagte Jung. »Parteizugehörigkeiten sind dabei sicher nicht das wichtigste Kriterium, denn diese Person muss über Parteigrenzen hinweg in weiten Teilen der Bevölkerung Vertrauen genießen und aufbauen.« Im Umgang mit Fehlern und Verfehlungen gilt nach Jungs Auffassung in einem übertragenen Sinn die biblische Verheißung: »Die Wahrheit wird euch frei machen.« Dies hätte auch Wulff Wege geöffnet. »Er ist jetzt persönlich in einer sehr schwierigen Situation. Ich wünsche ihm und seiner Familie Kraft, damit zurecht zu kommen.«

Der Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Martin Hein, hat dem erfolgten Rücktritt von Bundespräsident Christian Wulff Respekt gezollt. Angesichts der Entwicklungen sei dieser Schritt unausweichlich gewesen, sagte Hein. Sehr zu bedauern sei der Schaden, der durch zwei Rücktritte in den vergangenen zwei Jahren dem Amt des Bundespräsidenten zugefügt worden sei. Er hoffe, dass der Schritt von Christian Wulff zu einer Klärung der gegen ihn erhobenen Vorwürfe beitrage und die politische Situation beruhige, fügte Hein hinzu. Unabhängig davon müsse allerdings auch die Frage nach der Rolle der Medien in diesem Zusammenhang gestellt werden. »Da gibt es noch gesellschaftlichen Gesprächsbedarf«, sagte er. Aber auch das politische Management des Bundespräsidenten in den vergangenen Tagen sei ausgesprochen problematisch gewesen.

Für den pfälzischen Kirchenpräsidenten Christian Schad ist der Rücktritt von Bundespräsident Christian Wulff ein Dienst an der Demokratie. Die Demokratie beruhe auf einer Vertrauensbasis, die auch vom Vertrauen in die handelnden Personen abhänge, sagte Schad. Zur politischen Verantwortung gehöre die Einschätzung, was dem Wohl der Menschen, dem Ansehen des höchsten Staatsamtes und dem Erhalt des inneren Friedens diene.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, wertet den Rücktritt von Bundespräsident Christian Wulff als konsequent und befreiend. Das hohe Staatsamt, in dem sich die Bürger wiederfinden wollten, gewinne damit an Gestaltungsmöglichkeit zurück, argumentierte der EKD-Ratsvorsitzende. Schneider ergänzte: »Die Frage nach Schuld oder Unschuld ist mit dem Rücktritt nicht beantwortet. Dies ist die Aufgabe, die der Justiz zukommt.«

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