Kirchenvorstand als Motor
Elkershausen feiert den Geburtstag der Kirche mit einem Mittelaltermarkt an Himmelfahrt • Von Gundula Stegemann
An Himmelfahrt verwandeln die rund 700 Einwohner von Elkershausen ihren Heimatort in ein mittelalterliches Dorf. Anlass ist der Geburtstag der Kirche, den die Gemeinde zwei Jahre lang feiert.
Im östlichen Hintertaunus im Landkreis Limburg-Weilburg liegt die Gemeinde Elkershausen, ein Ortsteil der Großgemeinde Weinbach. Rund 700 Einwohner zählt der Ort, die meisten von ihnen sind evangelisch. Zur Kirchengemeinde gehört auch das an der Lahn gelegene Fürfurth. »Insgesamt hat die Gemeinde rund 500 Mitglieder«, sagt Pfarrer Ulrich Finger. Seit 2007 wird die Gemeinde von ihm betreut; er ist bereits seit mehr als 20 Jahren als Pfarrer in den Nachbarorten tätig. »Viele der hier lebenden Berufstätigen legen auf dem Weg zu ihrem Arbeitsplatz etliche Kilometer zurück. Wer hier wohnt, lebt beschaulich und weiß das Leben auf dem Land und die damit verbundene Lebensqualität zu schätzen.«
Buntes und breit gefächertes Gemeindeleben
In Elkershausen ist die Kirche noch mitten im Dorf. Hundert Jahre ist sie alt. Und das wird groß gefeiert und zwar seit zwei Jahren. Denn 1911 wurde die alte Kirche abgerissen und mit dem Bau der neuen Kirche begonnen. Erst anderthalb Jahre später wurde sie fertiggestellt und am 6. Oktober 1912 feierlich eröffnet. Dieses Jubiläum begehen die Elkerhäuser mit einer Reihe von Veranstaltungen, in denen immer wieder deutlich wird, wie bunt und breit gefächert das Gemeindeleben ist – sowohl früher als auch heute. Zeugnis davon geben historische Bilder und Urkunden, die derzeit in der Kirche ausgestellt werden.
So kann man eine Tafel mit Konfirmandenbildern von 1906 bis in die heutige Zeit besichtigen sowie kunstvoll verzierte Konfirmandenurkunden. Eine weitere Tafel zeigt Berichte aus dem Gemeindeleben und von Veranstaltungen im Rahmen des Jubiläums. Im vergangenen Jahr wurde ein altes Uhrwerk von 1913 wieder aufgestellt, ein Mundartgottesdienst gefeiert und ein Modell der Kirche in Miniaturausgabe gezeigt.
Einer der Höhepunkte der Feierlichkeiten in diesem Jahr bildet ein »Tag im Mittelalter« an Christi Himmelfahrt am 17. Mai. Auf dem Mittelaltermarkt rund um Dorfgemeinschaftshaus und Kirche erwartet die Gemeinde viele Besucher. Alle örtlichen Vereine sind in die Vorbereitungen für diesen Tag eingebunden. Um 10 Uhr wird der Markt eröffnet, um 10.30 Uhr feiert die Gemeinde mit ihren Gästen und Besuchern sowie mit ihrem Pfarrer einen mittelalterlichen Gottesdienst mit Taufe. »Anschließend gibt es ein abwechslungsreiches Programm mit Künstlern, Akteuren und Gauklern insbesondere auch für Kinder bis zum Einbruch der Dunkelheit«, verrät Pfarrer Finger, der selbst ein passionierter Fan des Mittelalters ist.
Mittelaltermarkt in Elkershausen
»Vom keltischen Badehaus bis zum Bogenschützen ist alles, was neugierig und Spaß macht, dabei.« Darunter sind auch ein sogenannter Scriptor, also ein Namenskundiger, sowie ein Geschichtenerzähler, mehrere Tanz- und Musikgruppen sowie zeitgemäße Verpflegung. Es ist nicht der erste Mittelaltermarkt in Elkerhausen. Bereits zur 800-JahrFeier 1991 haben die Bewohner des kleinen Ortes ein großes historisches Fest, bei dem das Mittelalter nicht fehlen durfte, ausgerichtet. So war die Idee entstanden, auch zum Kirchenjubiläum das Mittelalter aufleben zu lassen. Außerdem finden ganz in der Nähe alljährlich die Freienfelser Ritterspiele statt, die weit über die Grenzen der Region hinaus große Anziehungskraft haben.
Das vierte Gotteshaus an gleicher Stelle
Die in der Ortsmitte gelegene Burg der Raubritter zu Elkerhausen spielt auch in der Geschichte der Kirche eine nicht unbedeutende Rolle. Denn die jetzige Kirche ist bereits das vierte Gotteshaus, das an dieser Stelle errichtet wurde. Bereits in einer Urkunde des Trierer Erzbischofs aus dem Jahr 1278 soll es Hinweise auf eine Kirche in Elkerhausen geben, die durch einen Neubau ersetzt werden sollte. Errichtung, Unterhaltskosten und Reparaturen oblagen den Burgmannen von Elkerhausen, die dafür den Priester bestimmen durften und die Kirchenabgaben der Einwohner erhielten. Zwischen 1604 und 1608 erfolgte der Bau der dritten Kirche, die Anfang des 20. Jahrhunderts abgerissen wurde. Aus dem Vorgängerbau erhalten ist noch heute ein Taufstein aus schwarzem Schupbacher Marmor mit weißen Äderungen, etwa um 1850, und die Orgel von 1846/47 von dem Möttauer Orgelbauer Daniel Rassmann. An der Außenwand erinnern drei steinerne Reliefs an die früheren Patronatsherren und Erbauer des jetzigen Vorgängerbaus.
Der Kirchenvorstand erledigt die Küsteraufgaben
Motor des Gemeindelebens heute ist der Kirchenvorstand, sagt Pfarrer Finger. Die Gemeinde hat keinen Küster, dessen Aufgaben werden vom Kirchenvorstand wahrgenommen und untereinander aufgeteilt. »Der Kirchenvorstand ist der Träger des Gemeindelebens«, sagt Ulrich Finger. »Aber es sind viele Gemeindemitglieder, die sich hier in verschiedenen Gruppen einbringen und das Leben in der Gemeinde mit prägen.« So gibt es einen wöchentlichen Krabbelkreis für die Jüngsten. Zahlreiche Frauen engagieren sich in der Frauenhilfe, einmal im Monat trifft man sich zum Frauenfrühstück, plaudert, tauscht Erlebnisse und Erfahrungen aus, entspannt sich bei Musik, meditiert, hört Texte und vieles mehr. Darüber hinaus beschäftigen sich die Frauen mit aktuellen sozialen Fragen und Problemen in der Gesellschaft.
Ihren Ideenreichtum bewiesen die Gemeindemitglieder einmal mehr, als der Gottesdienstraum im Dorfgemeinschaftshaus in Fürfurth gesperrt war und als Herberge für das Krippenspiel der erwachsenen Gemeindemitglieder somit nicht zur Verfügung stand : Kurzerhand wurde die Aufführung trotz der kalten Witterung im Dezember ins Freie verlegt.
Kirchengemeinde Elkerhausen; Pfarrstraße 4; 35796 Weinbach; Tel.: 0 64 72 / 3 97 ; Internet: www.kirche-elkerhausen.de.
Fotos: Gundula Stegemann