Schwer erträglich
Zu: »Religionskrieg« (Standpunkt); Evangelische Sonntags-Zeitung Nr. 4
Selbstverständlich darf jeder seine Meinung äußern. In meiner Evangelischen Sonntags-Zeitung wünsche ich mir aber, dass das Leute tun, die verstehen, wovon sie reden und schreiben und das auf einem Niveau tun, das sich deutlich von der Bild-Zeitung abhebt. Ich finde den »Standpunkt« zum Thema Nigeria schwer erträglich. Auch wenn Sie an einer Stelle meinen, sie wollten nichts beschönigen, relativieren sie doch mit Ihren vielen Vergleichen ein schreckliches Geschehen bis zur Unkenntlichkeit.
Am Ende Ihres Artikels weiß man zwar nicht, was Sie eigentlich sagen wollen, aber alles ist nicht so schlimm, weil es viel davon gibt. Gott sei es gedankt, dass es in dieser Ausgabe auch noch vernünftige und kenntnisreiche Äußerungen zur Situation und den Anschlägen in Nigeria gibt. Im Übrigen glauben die Menschen weder in Nigeria noch anderswo an »verschiedene Götter«. Wenn solche in Ihrem Religionsverständnis Platz haben, finde ich das bedauerlich.
Renate Ellmenreich; Mainz
»Anders an Gott glauben heißt nicht, an einen anderen Gott glauben« – mit diesem prägnanten Satz hat Professor Reinhold Bernhardt beschrieben, worum es im interreligiösen Dialog geht. Abgesehen von der vor diesem Hintergrund etwas verunglückten Aussage über den Glauben »an verschiedene Götter« finde ich Ihren »Standpunkt« angenehm differenziert und in der Sachfrage wegweisend.
Pfarrerin Annette Mehlhorn;
Rüsselsheim
Vorsitzende des Bendorfer Forums für ökumenische Begegnung und Interreligiösen Dialog e.V.
Wulff kein »Wutpräsident«
Zu: »Der Wutpräsident« (Standpunkt); Evangelische Sonntags-Zeitung Nr. 3
Ohne Zweifel hat unser Bundespräsident Fehler beim Krisenmanagement begangen, die er aber beim ARD/ZDF-Interview eingeräumt und sich dafür entschuldigt hat. Sind wir Menschen nicht wütend, wenn etwas in den Medien veröffentlicht wird, ohne dass wir unmittelbar Einfluss auf die tatsächliche Aufklärung nehmen können? Es stellt sich langsam die Frage: Wird der Sachverhalt bewusst weiterhin verzerrt, weil die Bild- Zeitung dahinter steckt, oder weil dem politischen Gegner dieser Bundespräsident nicht ins Kalkül passt? Die in dem Kommentar aufgestellte Behauptung »Wulffs Umgang mit den Verfehlungen und seine Versuche, sie zu verschleiern, zu bagatellisieren und die Berichterstattung zu verhindern«, lässt eindeutig erkennen, dass der Autor des »Standpunkts« die Zusammenhänge dieser angeblichen Kredit- und Medienaffäre nicht erkannt hat oder erkennen will. Solche Kommentare beschädigen das höchste Amt in unserem Staat und sind nicht geeignet, zur Wahrheitsfindung beizutragen. Nach derzeitigem Stand staatsanwaltlicher Ermittlungen sind gegen den Bundespräsidenten keine Vorwürfe stichhaltig genug, um einen Anfangsverdacht für ein Strafverfahren zu begründen. Als beleidigend empfinde ich den Satz »Ganz offensichtlich ist er ( gemeint ist der Bundespräsident) für sein hohes Amt vollkommen ungeeignet«. Woher nehmen Sie diese Weisheit, denn bei mir bleiben große Zweifel ob des Wahrheitsgehalts der an die Öffentlichkeit gezerrten Vorwürfe. Es mutet teilweise wie eine Treibjagd an, wie hier mit der Glaubwürdigkeit eines Bundespräsidenten umgegangen wird, wobei die angeblichen Verfehlungen aus der Zeit stammen, als er noch Ministerpräsident in Niedersachsen war. Wenn dann noch Joachim Gauck – Gegenkandidat von Christian Wulff – als ein Mann hingestellt wird, dem dies nicht passiert wäre, betätigt sich die Evangelische Sonntags-Zeitung als Wahrsagerin. Die Evangelische Sonntags-Zeitung sollte parteipolitisch unabhängig bleiben, aber auch der Versuchung widerstehen, das Amt des Bundespräsidenten neu besetzen zu wollen.
Heinz Römermann; Hohenstein