ZUM SONNTAG

Weniger Panzer und dafür mehr Hirn

Die Waffenrüstung Gottes bedeutet vor allem Zuwendung und Geistesgegenwart • Von Christine Beutler-Lotz

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Christine Beutler-Lotz ist Pfarrerin für Schaustellerseelsorge im Bereich der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau.

Wenn Pinguin und Burgfräulein Hand in Hand gehen, kleine Cowboys und Indianermädchen die Straßen bevölkern und in der Bäckerei sich die Kreppel – gefüllt und ungefüllt – auf den Backblechen türmen, dann ist wieder Fastnacht.

Die Zeit der Verkleidung. Die Zeit, die es uns erlaubt, mal in eine andere Rolle zu schlüpfen, mal etwas auszuprobieren, was uns in unserem realen Leben nicht möglich ist. Wen wundert es da, wenn die angesagtesten Kostüme Helden und erfolgreiche Persönlichkeiten verkörpern. Wir wollen gerne stark und unverletzlich sein; sind bewaffnet und wollen bewundert werden.

An Fastnacht streifen wir uns die bunten Kostüme über und schießen mit lauten Platzpatronen. In der übrigen Zeit des Jahres sind es die unsichtbaren Masken, die wir tragen und die uns vor Verletzungen schützen sollen. Denn schon die Sprache macht unsere Situation deutlich. Wir wollen nicht »ins offene Messer laufen«, und werden schon mal »ins Bockshorn gejagt«. Manchmal kommt es dann »knüppeldick« und es werden »die Messer rausgeholt«. Wenn man da nicht auf der Hut ist, kann es einem schlecht ergehen.

Diesen alltäglichen Gefahren sind wir nicht schutzlos ausgeliefert. Wir brauchen nicht mit Gegenwehr zu reagieren, sondern Gott stattet uns mit einem besonderen Kostüm aus – der Waffenrüstung Gottes. Doch ist sie mehr Rüstung als Waffe; keine Zeitbombe, sondern ein Schutzschirm. Sie richtet sich nicht gegen Mitmenschen, sondern gegen den Gegenspieler in uns selbst.

Der Apostel Paulus schreibt: »Für euch alle gilt: Werdet stark, weil ihr mit dem Herrn verbunden seid, mit seiner Macht und seiner Stärke! Greift zu den Waffen Gottes, damit ihr alle heimtückischen Anschläge des Teufels abwehren könnt« (Epheser 6,10+11).

Unsere Welt ist in den Augen des Apostels ein Kriegsschauplatz, andere sehen in ihm eine Geschichte endloser Tragödien. Deshalb sorgt Gott für uns und gibt uns eine Rüstung mit auf den Weg, die uns stark macht. Handwerkszeug und Schutzschild. Der Gürtel ist die Wahrheit, die wir pflegen, und der Brustpanzer ist die Gerechtigkeit, die wir üben. Und die Gewissheit, dass Jesus uns gerettet hat, ist dann unser schützender Helm. Gottes Geist gibt uns sein Wort, das uns zur Seite steht und das wie ein scharfes Schwert in der Hand für uns ficht. Paulus will sagen: Sei ehrlich mit dir und mache dir und den anderen nichts vor. Sei nicht selbstgerecht, sondern gerecht. Zeige dein Gesicht. Nimm mal die Position des Anderen ein und höre deine Worte mit seinen Ohren.

Gottes Rüstung ist Rüstzeug. Sie macht uns nicht nur für die vier närrischen Tage unverwundbar, sondern begleitet uns im Alltag. Wir kämpfen zunächst mit uns selbst – gegen den Teufel und alle Widerstände in uns – und werden gestärkt daraus hervorgehen, so dass uns die Sticheleien der Anderen nicht mehr so stark zusetzen werden. Das ist eine tolle Aussicht und die Mühe wert, die wir darauf verwenden müssen.

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