RHEIN-MAIN

Das Scheitern einer guten Idee

Das »Kerchekaffee« der Kirchengemeinde Klein-Auheim schließt nach zwei Jahren seine Türen – 4000 Gäste bewirtet

Klein-Auheim. Ein Tasse Kaffee, ein kleines Törtchen und vor allem Gemütlichkeit, das wollte die Gemeinde Klein-Auheim ihren Mitgliedern bieten.

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Optimismus zum Start bei der Eröffnung des Kirchen-Cafés »lebensWERT« im Mai 2010. Nun, zwei Jahre später, mussten Gemeindepädagogin Claudia Fäscher (von links), Café-Chefin Nadine Heinzelmann und Pfarrer Detlef Hellmann die TSV-Vereinsgaststätte wieder räumen.

Als »eine lohnende Einrichtung, die an einem anderen Ort eine bessere Zukunft gehabt hätte«, bilanziert Pfarrer Detlef Hellmann das »Kerchekaffee lebensWERT«. Zwei Jahre lang war die kirchliche Einrichtung in der renovierten Vereinsgaststätte des örtlichen Turn- und Sportvereins Anlaufstelle nicht nur für Freunde von Kaffee und Kuchen, sondern auch und vor allem für Menschen, die etwas Anschluss und Gesellschaft suchten oder Beratungsbedarf hatten. Nach einer Abschiedsparty war Schluss; die finanziellen Belastungen waren für die Kirchengemeinde Klein-Auheim nicht dauerhaft zu stemmen.

Ein Ort der Zusammenkunft

Mehr als 4000 Gäste hatte das Kirchen-Café, das im Mai 2010 an den Start gegangen war, in den vergangenen beiden Jahren. Neben den 165 regulären Öffnungstagen pro Jahr, an denen sich unter anderem Jahrgänge und Seniorengruppen trafen, war das Café auch Ort für Familienfeiern und die ein oder andere Zusammenkunft nach einer Trauerfeier – »wenngleich hier am Ort diese Tradition der Geselligkeit nach der Beerdigung ausstirbt«, stellt der Pfarrer fest.

Eine ganze Menge Zulauf

Zuspruch fanden auch die kulturellen Veranstaltungen mit Live-Musik, Lesungen, Gesprächen und Vorträgen – und das ganze zusätzlich zu den Gruppen und Kreisen, die sich nach wie vor im nahe gelegenen Gemeindezentrum trafen. Eine ganze Menge Zulauf also, aber – so Pfarrer Hellmann – »leider nicht genug, um die schwarze Null zu erreichen«, also den Punkt, an dem sich die Einrichtung wirtschaftlich selbst getragen hätte.

Gespräch, Seelsorge und Beratung in offener Atmosphäre

Für Hellmann, Café-Chefin Nadine Heinzelmann, Gemeindepädagogin Claudia Fäscher und die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter war das gemütliche Café mit seinem freundlichen Service, den leckeren hausgemachten Kuchen und Torten sowie dem Kontakt zu den Gästen jedenfalls mehr als ein Arbeitsplatz oder eine Freizeitbeschäftigung.

Von Anfang an war den Aktiven der niederschwellige Zugang zu Gespräch, Seelsorge und Beratung in einer offenen Atmosphäre wichtig. »Eine gastfreundliche, fürsorgliche und am Alltäglichen interessierte Kirche« – die Idee dazu hatte Pfarrer Hellmann vom Evangelischen Kirchentag im Bremen mitgebracht und im beschaulichen Klein-Auheim in die Tat umgesetzt.

Am Umsatz hat es gefehlt

Inhaltlich ist die Rechnung voll aufgegangen, freuen sich die Mitarbeiter bei aller Trauer angesichts des großen Ausräumens. Nur am Umsatz hat es letztlich gefehlt, der mittelfristig das Gehalt von Café-Chefin Nadine Heinzelmann decken sollte. Sie war von der Gemeinde im Umfang einer halben Stelle engagiert worden und wirkte zwei Jahre lang als »guter Geist« des Betriebs.

Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau hatte über ihren Arbeitslosenfonds einen Startzuschuss zu den Personalkosten in Höhe von 15 000 Euro geleistet, auch die Hermann-Schlegel-Stiftung steuerte 3000 Euro für den Betrieb bei. Und ohne die passionierte Bäckerin und Hobbykonditorin, nebenbei oder auf ehrenamtlicher Basis wäre das ehrgeizige Vorhaben von vornherein zum Scheitern verurteilt gewesen, sind Detlef Hellmann und Claudia Fäscher überzeugt.

Konfessionell bedingte Negativkampagnen« haben der Einrichtung geschadet

Die Gründe dafür, dass es das Café letztlich nicht geschafft hat, sieht Hellmann – und da mischt sich auch ein bisschen Zorn in die Trauer – auch in Vorurteilen, die gestreut wurden. Zum Beispiel über die Qualität des fair gehandelten Kaffees, der ausschließlich serviert wurde, und über den selbst gebackenen Kuchen habe es geheißen, er sei aus einem Billig-Supermarkt. Aber auch die »regelrechten, konfessionell bedingten Negativkampagnen« hätten der Einrichtung geschadet. So sei es für viele undenkbar gewesen, dass katholische Bürger das evangelische Café besuchen könnten, sagt Hellmann.

Finanziell jedenfalls geht die Gemeinde mit einem blauen Auge aus dem trotz allem richtungsweisenden Pilotprojekt: Dank der Zuschüsse und weiteren 5000 Euro, die aus Spenden und Förderbeiträgen zusammengekommen waren, muss die Gemeinde etwa 5000 Euro aus dem Rücklagen-Sparstrumpf holen. »Bei 4000 Gästen, denen das Café in den letzten beiden Jahren zugute kam, keine wirklich hohe Summe.«

Foto: esz / Archiv

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